Bei Sonnenschein und einem Spielstand von 3:0 für die Heimmannschaft kann jeder pfeifen, bei 0:1 und Strafstoß für die Gäste nur noch wenige.

Am vergangenen Montag durfte die Schiedsrichtergruppe Bayreuth zu ihrem monatlichen Lehrabend einen prominenten Gastreferenten begrüßen. In der voll besetzten Sportheimgaststätte des ASV Oberpreuschwitz übernahm der langjährige Bundesligaschiedsrichter und aktuelle DFB-Koordinator für die Schiedsrichterausbildung und Coach der Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner den Tagesordnungspunkt Lehrarbeit.

In einem sehr kurzweiligen und abwechslungsreichen Vortrag referierte der gebürtige Hesse über das Gesamtpaket Schiedsrichter. Er arbeitete hierbei die Unterschiede zwischen dem guten und dem sehr guten Schiedsrichter heraus und stellte dabei fest, dass sich diese im Bereich Leistung und Fitness kaum unterscheiden. Im Unterschied gelingt es dem sehr guten Schiedsrichter jedoch, diese Kriterien unter allen vorstellbaren Bedingungen, also auch in absoluten Stresssituationen, abzurufen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Einfacher ausgedrückt: Bei Sonnenschein und einem Spielstand von 3:0 für die Heimmannschaft kann jeder pfeifen, bei 0:1 und Strafstoß für die Gäste nur noch wenige.

Das ASV-Sportheim bis auf den letzten Platz gefüllt

Eine weitere Eigenschaft des sehr guten Schiedsrichters ist die situative Intelligenz. Lutz Wagner ging hierbei auf natürliche Körperreaktionen von Spielern ein, welche der Mensch nicht beeinflussen kann, sich der Schiedsrichter bei der Entscheidungsfindung aber zum Vorteil machen kann.

Auch die Antizipation von Spielsituationen gehörte zur Lehrarbeit. Der Schiedsrichter muss zu jedem Zeitpunkt vorhersehen, was als nächstes geschehen könnte. Hierauf muss er sich einstellen und situativ reagieren. Hierzu gehört auch das Hineinversetzen in Spieler. Wie reagiert ein Stürmer beim Ballverlust? Was macht der Verteidiger im eigenen Strafraum, um den Ball zu erobern? Wie tickt ein Torwart?

Im Bereich persönliche Strafen sprach sich Lutz Wagner eindeutig für den Opferschutz aus. Es ist gängige Praxis in vielen Situationen zu hinterfragen, ob Rot nicht zu hart war und Gelb nicht gereicht hätte. Nein, sagt Lutz Wagner, der Schiedsrichter steht am Feld, um diejenigen zu schützen, die die Regeln einhalten, und diejenigen zu bestrafen, die die Regeln verletzen. Wenn ein Spieler mit hohem Risiko in einen Zweikampf geht und es ihm nicht gelingt, den Ball zu spielen und dadurch eine schwere Verletzung des ballführenden Spielers in Kauf nimmt, kann es nicht sein, Argumente dafür zu suchen, dass der Spieler weiterhin mitspielen darf.

Lutz Wagner (stehend) mit einem kurzweiligen und sehr interessanten Vortrag

Zur Veranschaulichung wurden zahlreiche Videoszenen aus den Bundesligen und der Champions League gezeigt und analysiert: Sowohl diese, in denen der Schiedsrichter schlecht gehandelt hat, als auch jene, in denen er sich sehr gut verhalten hat. Zudem wurden immer wieder Statements aus dem Kreise der Zuhörer gefordert, auf die Lutz Wagner dann reagierte. Durch diese interaktive Methode fühlte sich jeder angesprochen und konnte etwas zum Thema beitragen, weshalb es nie langweilig wurde.

Auch auf die Regeländerungen für die kommende Saison wurde kurz eingegangen. Diese werden bald an den Bayerischen Fußballverband weitergegeben und anschließend veröffentlicht. Ziel der Regeländerungen ist es unter anderem, die Spielfortsetzungen bei Wurf- und Kontaktvergehen logischer und dadurch einfacher zu gestalten. Da die Anforderungen an einen Fußballschiedsrichter ähnlich mit denen einer Führungskraft in der Wirtschaft und anderen Verbänden sind, hält er derartige Vorträge auch bei Business Coaching Seminaren mit speziell angepassten Themen.

Im Namen der Schiedsrichtergruppe Bayreuth bedanken wir uns bei Lutz Wagner für den anschaulichen, interaktiven und kurzweiligen Vortrag.    


Impressionen vom Besuch des DFB-Lehrwarts in unserer Galerie "Veranstaltungen 2017" (-> hier klicken)

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